Expectations are not instructions – über das Nein in Führung
Shownotes
In dieser Folge geht es um ein Thema, das viele Führungskräfte gut kennen: das Nein, das sachlich richtig ist – sich aber trotzdem falsch anfühlt.
Ausgehend von einer konkreten Führungssituation spreche ich darüber, warum Konflikte manchmal nicht inhaltlich, sondern auf der Beziehungsebene eskalieren. Warum beginnen gerade reflektierte Führungskräfte nach einem Nein an sich zu zweifeln? Und weshalb ist das unangenehme Gefühl danach nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Entscheidung falsch war?
Ich teile eine persönliche Erinnerung an meinen Vater und einen Satz, der mir bis heute hilft, Haltung zu bewahren: Expectations are not instructions. In dieser Folge geht es um Grenzen, um innere Klarheit und darum, warum Führung nicht immer bedeutet, etwas „zu klären“.
Manchmal bedeutet Führung, stehen zu bleiben – auch wenn jemand anderes weiterziehen möchte.
Eine Einladung, das eigene Nein nicht sofort innerlich wieder zu verhandeln. Und ein Plädoyer dafür, sich nicht treiben zu lassen, nur weil jemand es erwartet. Wenn du das Gefühl hast, dein Team liefert nicht, weil du zu oft ja sagst, dann komm in mein 0€ Training “ Warum dein Team nicht liefert”
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Transkript anzeigen
00:00:01:
00:00:20: Heute möchte ich dir eine Geschichte erzählen.
00:00:24: Keine große, keine laute.
00:00:27: sondern eine, die viele Führungskräfte sehr gut kennen, auch wenn sie selten darüber sprechen.
00:00:34: Neulich schrieb mir eine Teilnehmerin aus einem meiner leadership-Programme eine Nachricht.
00:00:39: Es ging um etwas scheinbar banales.
00:00:41: Eine Pause, die eine Mitarbeiterin an einem sehr vollen Arbeitstag nicht gemacht hatte.
00:00:46: Viele Termine, alles, die ich getaktet, keine Pause dazwischen.
00:00:51: Arbeitsrechtlich, eigentlich schnell eingeordnet, sachlich kein Drama.
00:00:56: Dachte ich.
00:00:58: Denn aus dieser einen Mail wurde ein längerer Austausch, Erklärungen, Rückfragen, neue Argumente, Wiedererklärungen.
00:01:06: Und irgendwann ein paar Nachrichten später kam dieser Satz.
00:01:11: Ich würde dir an allen Punkten widersprechen und möchte das Thema im persönlichen Gespräch klären.
00:01:17: In dem Moment war klar, jetzt geht es nicht mehr um Pausen, jetzt geht es um was anderes.
00:01:24: Um Beziehungen, um Macht, um die Frage, wer gibt hier eigentlich den Ton an?
00:01:30: Die Führungskraft hat ruhig und sauber gearbeitet.
00:01:32: Sie hatte erklärt, begründet, entschieden.
00:01:35: Sie hatte Rückendeckung von HR und sogar ein positives Feedback von ihrer eigenen Chefin.
00:01:41: Rein objektiv war alles klar.
00:01:44: Und trotzdem saß sie abends da und zweifelte.
00:01:48: Nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise, innerlich.
00:01:53: War ich zu hart?
00:01:54: Hätte ich es anders formulieren müssen?
00:01:56: Muss ich dieses Gespräch jetzt doch führen, nur weil mein Gegenüber das möchte?
00:02:01: Wenn du Schurmskraft bist, kennst du dieses Gefühl vielleicht.
00:02:05: Dieses leichte Ziehen im Bauch, nach dem du Nein gesagt hast.
00:02:09: Dieses Innere nachjustieren, obwohl du eigentlich weißt, dass deine Entscheidung richtig war.
00:02:16: Mich hat diese Situation an etwas erinnert, das ich sehr früh gelernt habe.
00:02:21: Mein Vater war Brite.
00:02:23: Und er war keiner, der lange Reden gehalten hat oder Dinge dramatisiert hätte.
00:02:27: Eher im Gegenteil, sehr ruhig, sehr klar, sehr unbeüber.
00:02:32: Er hätte das nie groß erklärt oder theoretisch aufgeladen.
00:02:36: Es war mir eine Haltung, die immer mitschwang.
00:02:38: Und irgendwann habe ich verstanden, dass es bei ihm auf einen einzigen Satz hinaus lief.
00:02:45: Expectations are not instructions.
00:02:48: Also, nur weil jemand etwas von dir erwartet, heißt das noch lange nicht, dass du den folgen musst.
00:02:54: Genau, das ist ein unglaublich wichtiger Satz zur Führung.
00:02:58: Denn Führung bedeutet nicht, dass dein Nein sofort akzeptiert wird.
00:03:03: Führung bedeutet auch nicht, dass danach Harmonie herrscht.
00:03:06: Führung heißt manchmal schlicht, stehen zu bleiben, während dein Gegenüber versucht, dich weiterzuziehen.
00:03:13: Nicht jedes Mal, das müssen wir klären, ist wirklich eine offene Frage.
00:03:18: Manchmal ist es der Versuch, ein Nein wieder aufzumachen, manchmal der Wunsch, doch noch Einfluss zu nehmen und manchmal schlicht die Unfähigkeit, eine Grenze zu akzeptieren.
00:03:29: Das Schwierige daran ist, je reflektierter du bist, desto eher fängst du an, an dir zu zweifeln.
00:03:35: Nicht die lauten Zweifeln, nicht die Gruppen, sondern die die Verantwortung ernst nehmen und dann passiert etwas Typisches.
00:03:42: Du beginnst dein Nein innerlich zu verhandeln, obwohl du längst entschieden hast.
00:03:47: Deshalb möchte ich dir drei Gedanken mitgeben.
00:03:51: Erstens, ein Nein darf stehen bleiben, auch wenn dein Gegenüber es nicht akzeptiert.
00:03:56: Akzeptanz ist kein Kriterium für Richtigkeit.
00:04:00: Zweitens, das schlechte Gefühl nach einem Nein sagt oft mehr über die Beziehungsebene aus als über die Sacheebene selbst.
00:04:07: Es ist nicht immer ein Hinweis, dass du falsch schlagst.
00:04:11: Und drittens, Vielleicht der wichtigste Punkt, Führung heißt nicht, jeden Konflikt aufzulösen, Führung heißt manchmal ihn auszuhalten, ohne dich selbst zu verlassen.
00:04:21: Wenn du merkst, dass dich genau solche Situationen immer wieder beschäftigen, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
00:04:28: Nicht zuerst auf die Mitarbeitenden, sondern auf dich, auf deine inneren Grenzen.
00:04:35: Auf den Moment, in dem du beginnst, dich treiben zu lassen, obwohl du längst entschieden hast.
00:04:41: Denn ein gutes Nein braucht manchmal vor allem eines.
00:04:44: Dass du dir selbst treu
00:05:03: bleibst.
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